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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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der Krankheit hätten entgegensetzen können.
Sie sind tot, wie ihre Männer. Um sie sorgen wir
uns nicht mehr. Aber die Kinder blieben zurück. Aus
dem einen Hofdorf allein sind 200 deutsche Waifen-
kinder zurückgeblieben. Die Wohnungen ihrer Eltern
lind vernichtet worden. Entweder sind die Häuter ab¬
gebrochen, des Nutzholzes wegen, das zur Zeit in der
Ukraina von unfchätzbarem Wert ist, oder fie lind ein-
geälchert worden. Sie mühen in unieren 16 Hofdörfern
untergebracht werden. Doch, was läge ich da? Unler
Bezirk hat keine 16 Hofdörfer mehr. Aus 4 Dörfern
lind die deutlchen Kolonisten vertrieben worden. Die
ehemaligen ichönen Höfe find nunmehr traurige Ruinen.
Auch diele Menlchen müllen, lo viele ihrer noch am
Leben lind, bei uns untergebracht werden. Wie kann
man ihnen helfen? Wir müssen mit ihnen kommunistisch
leben. Ach, wir lind ja lo gefügig geworden. Wir hätten
wohl früher von unlerem Ueberfluß kaum lo bereitwillig
mitgeteilt, wie wir es jetzt in unlerer Armut tun. So
lind wir Menlchen! Ich bin überzeugt, wenn man in
Welteuropa wüßte, wie elend wir dran lind, lo würden
fie wohl dort für ein Viertelltündchen Mitgefühl mit uns
zeigen, vielleicht logar ein Almoien für uns übrig haben;
aber helfen würden lie uns nicht, denn lie können das
Entletzliche unlerer hilflolen Lage nicht ermellen: ich
kenne Welteuropa.
Wie Itark lind wir nach dem Friedhof ausgewandert.
40°/o unterer Bevölkerung lind dort angeliedelt worden.
!n Chortitza gab es außer den Indultriellen und Hand¬
werkern 38 Hofbelitzer. Nur noch 7 lind am Leben.
Einige Familien lind ganz ausgeltorben. Man ilt in
Häuler gekommen, wo die letzten Einlamen bereits
8 Tage tot in ihren Betten lagen. Ein Mann wurde in
der Ecke hockend aufgefunden. Vermutlich ilt er vor
Ermattung zulammengelunken und dann verhungert.
Man fand keinen Billen irgendwelcher Nahrung in dielem
Haute. In der Regel lind auch hier bei uns die Eltern
von der Krankheit weggerafft worden, während die
Kinder zurückgeblieben lind. Ohne fremde Hilfe lind
lie verloren. Unpolitische Köpfe hoffen, daß Deutlche,
Engländer, Franzolen oder Amerikaner zu Hilfe kommen
würden, wenn lie auch etwas holen könnten.
* *
*
73
Am 16. Februar.
Es geht nur Iangfam voran mit dem Geiund-
werden. Verwunderlich ilt das freilich nicht. Der
geneiende Leib verlangt nach der langen Faltenzeit
doppelte und dreifache Zuteilung Daraus erklärt iich,
daß die Geneienden bei jedem Zuiamrnentreffen über
ihren Hunger klagen und die gute, alte Zeit preiien,
als man übergenug Brot, Fleiich, Eier und Milch hatte.
Nach und nach verbohrt man iich in die Frage
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…