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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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em ich den Fahrweg verlassen hatte,
ging ich auf feftem Boden. Plötzlich itandfich vor
alten Befeitigungswällen. Ich erinnerte mich an die
Sjetsch der Saporoger, die vorgzwei Jahrhunderten
auf dieser Insel ihren Sammelplatz hatten Deshalb
galt ja auch die Insel als historisch. Gogolfhat in
einer späteren : Zeit die Erinnerung an die Sjetsch in
das rosige Licht der Poesie getaucht. Seither
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erfcheinen die Saporoger in der Schilderung der
Sjetfch als Nationalhelden. Der Gelchichtsforicher
weiß jedoch, daß jene Helden gerade folche Infur-
genten geweien find wie die Bandenführer unierer
Tage. Webt nicht um Machno ichon jetzt ein Sagen¬
kreis im Volke, wie um Taras Bulba, dem Saporoger . . ?
Es war ein heißer Herbittag geitern, und die
Föhren entwickelten einen itarken, harzigen Duft, der
meine Sinne wohltuend berauichte. Es bedurfte eines
entichloiienen Aufrufs an die Willenskraft, um mich
ielbit zum Verlassen des Waldes zu bringen. Das
war der Bann des Waldes. Wieder zieht es mich
heute dahin. Wonneiam ruht es lieh auf dem trockenen
Grund unter den Bäumen. Der Allnatur verwebt
fühle ich mich. Die baumlose Steppe gefällt mir
nicht mehr. Hier habe ich inmitten der Steppe Wald,
Strom und Felsgeitade. Im klaren Waiier bade ich.
Ich komme in innige Fühlung und Harmonie mit der
Natur.
Das föhnt mich aus und heilt das Weh, das ich
über unfere Zeit empfinde. Das gibt mir auch Freude
zur Arbeit. Und wenn ich in iolcher Verfaffung vor
meiner Klaffe ftehe, dann fliegen mir die Herzen der
Seminariften zu wie Tauben, denen man Körner ftreut.
Ich werde geniigfam und befchränke mein Tun
auf einen engen Kreis. Es ift nicht mehr zu über¬
leben, wie weit ins Große die Folgen der ruffifchen
Revolution fich erftrecken. Wir find hier in der Steppe
und können von hier aus die Welt nicht organisieren,
wenn wir auch ahnen, daß die Menfchheit ein großes
Ganzes fein follte und fein muß.
Um uns ift Ruhe. Aber wer vermag zu fagen,
ob es die Ruhe vor einem neuen Sturm ift oder den
Anfang einer dauernden Entwickelungsrichtung be¬
deutet? Ich mag nicht prophezeien, und doch fpreche
ich es manchmal im Hinblick auf die Zuftände um
uns her aus, daß das Horoskop für unfere nächfte
Zukunft auf Schwingungen, alfo ‘auf fchwerwiegende
Ereigniffe deute.
Die meiften deutfehen Koloniften begrüßen die
Regierung des Generals Denikin, überfehen aber den
wachfenden Unmut der ruffifchen Bauern. Sicherlich
ift Denikin weniger abhängig von dem Wohlwollen
einiger deutfeher Koloniften als von der Haltung der
ruffifchen Dorfbewohner.
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So gerne möchte ich mich um alles andere
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…