Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 7 (not an original page number)

Unit 7 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
nicht kümmern, nur meine positive Arbeit tun. Aber ist dies Nicht-erkennen-wollen vielleicht auch vergleichbar mit dem Verhalten vom Vogel Strauß, wenn er bei Gefahr den Kopf in den Sand steckt? Aber man sieht ja nur, daß alles schief geht, ohne das min¬ deste daran ändern zu können, denn Vernunft predigt man in unserm Lande zurzeit umsonst. Erst muß die Ernüchterung kommen. * Chortitza-Rosenthal, am 21. September 1919. Sie sind da! Wer sie sind und für welche politische Losung sie kämpfen — das weiß niemand von uns. Alles was wir sehen, ist brutaler Wahnsinn, ist Raub, Mord — einen Deutschen, namens Dick, sah ich schon erschlagen liegen jenseits des Baches — ist Schrecken in steigender Potenz ... Ich höre sie wieder vor der Tür — — Abends. Zerknüllt hole ich meine Notiz¬ blätter hervor aus dem Versteck. Wie sieht es in meinem Zimmer aus! Die Schranktüren stehen offen, die Schiebiaden des Schreibtiiches liegen auf dem Fußboden. Der Inhalt liegt zeritreut umher, foweit er nicht mitgenommen wurde. So lieht es nun im ganzen Haule aus! Wir haben kaum noch Luit, die gehörte Ordnung wieder herzultellen. Wir lind alle lehr aufgeregt. Mein Freund, in dellen Haus ich wohne, zwingt lieh zur Ruhe. Auch leine Frau, ein tapferes Weib, beherrlcht lieh, wiewohl lie den Kleiderraub und den Verlult der Wälche ihres Mannes lehr hart empfindet; lie weiß, daß dies alles nicht erletzt werden kann. Aber, es Iteht noch Unerletzlicheres auf dem Spiel. Wir haben genuglam erkannt, wie lole die Kugel in den Mordwaffen dieler Eindringlinge litzt. Wir fühlen und willen, daß dielen Menlchen unler Leben nicht 11 wertvoller erfcheint als einem Sonntagsjäger das Leben eines Hafen. Es gibt keine Schonzeit für uns, wie fie in einem geordneten Staate für Menfchen in den Paufen von einem Kriege bis zum andern doch befteht. Wen kümmert es, wenn wir unfer Leben ein¬ büßen! Die ältefte Tochter meines Freundes, ein phantafiebegabtes deutfches Mädchen, empfindet an- fcheinend in aller Gefahr etwas von Abenteuerluft, die ihren 14 Jahren zugute gehalten werden muß. Die kleine Achtjährige ift infolge vieler Krankheiten ernfterer Natur. Oft blickt fie mit tiefen blauen Augen den Eltern ins Geficht: fie ftudiert ihre Mienen und weiß offenbar nicht recht, ob fie wirklich ganz ge¬ borgen ift bei Vater und Mutter. Feinfinnig fpürt fie das Zittern der feelifchen Atmofphäre im Hause, nervös fpielen die Fingerfpitzen mit den Enden ihrer langen, dicken blonden Zöpfe. Großmutter begreift die ganze Tragweite unferer Situation noch nicht. Ungehalten ift fie über den frechen Befuch. Ein

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…