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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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. Es ahnte uns nichts Gutes. An der erften
Wegkreuzung ftoßen wir auf Reiter und Drofchken
mit Dreigefpann, die alle im wilden Tempo unterem
Orte zuftreben. Eine endlos lange Staubwolke zog
hinter ihnen her, daß wir das Ende des Zuges nicht
abfehen können.
Bald löfen fich zwei Reiter von der erften Gruppe
und fprengen uns entgegen. Wir verharren auf dem
Fleck reglos, fchreckgebannt. Bald tänzeln zwei
Pferde vor uns. Roh werden fie geführt. Die Männer
auf ihrem Rücken faffen die Zügel kurz, daß die
armen Tiere das Maul auftun und ihre gefchwollene
Zunge zeigen. Jeder Reiter hat trotz der warmen
Witterung eine große langhaarige Pelzmütze auf, die
keck nach einer Seite neigt, während auf der anderen
lange Locken drohend auf und niederfchweben. Das
macht das ftaubbedeckte Geficht gefährlich verwegen.
Aus den Augen bricht wilde Zügellofigkeit. Die grellen
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Farben der Kleider verschärfen die Wirkung der
kecken Haltung und den wilden Ausdruck des Gelichts.
Waffen haben lie: Ueber der Schulter hängt das
Gewehr, an der linken Seite baumelt der Säbel,
die Piltolen itecken im Gurt. Während die linke
die Zügel faßt, Ichwingt die Rechte eine dreistriemige
Knotenknute. Sie saust während unseres Verhörs
nieder auf die Rippen und Flanken der Tiere, daß
sie keuchend stöhnen. Das gibt den Reitern Anlaß
zu fluchen, wie man es nur in Rußland hören kann.
Mit vieler Mühe überzeugen wir sie davon, daß
wir Lehrer sind. Lehrer zu fein, iit offenbar nach
ihren Begriffen nicht das größte Uebel. Der Bauern¬
stand der deutschen Kolonisten ist jedenfalls straf¬
barer als der Lehrerstand.
Mit einer Drohung sprengen sie davon. Wir
suchen versteckte Wege, die uns durch Gärten und
Zäune endlich nach Hause bringen.
Der ganze Ort ist in Aufregung. Es liegt eine
Angst und ein unheimlich drohendes Verhängniss in
der Luft. Ein Nachbar läuft zum andern, und jeder
glaubt am meisten gelitten zu haben. — Wir sind
tatsächlich mehr verschont geblieben, als die Häuser,
die an der Hauptstraße stehen. Aber wie lange?
Der Ort füllt sich immermehr mit diesen Horden.
Die Höfe sind voll Wagen und Reitern. Sie besitzen,
was ihnen gefällt. Auch unser Leben gehört ihnen.
Ob sie lange bleiben? Man sieht von unserem Hause
aus einen endlos langen Zug, wie er sich aus dem
Ort hinausbewegt nach dem Dorf, das unmittelbar
am Djnepr liegt. Sie wollen wohl dort über die
große Djneprbriicke. Ich höre Stimmen im Hausflur.
Mein Freund spricht. Eindringlinge fluchen. Er
weicht ihrer rohen Gewalt. Brutale Gesellen, keiner
Vernunft zugänglich! Sie kommen! Weg mit dem Heft!
*
*
Chortitza-Rosenth
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…